Gut vorbereitet zur JAV-Wahl im Oktober

veröffentlicht am 20. Februar 2018

Was ist gute Ausbildung? Und was ist gute Arbeit? Das waren zwei Leitfragen, mit denen sich 85 junge Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen aus der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) am vorigen Montag in Zwickau trafen, um einen Tag lang zu diskutieren, sich kennenzulernen und auszutauschen. Es ging unter anderem um die Digitalisierung und die Frage was Gute Arbeit und Gute Ausbildung heute bedeutet.

Es war eine bunt gemischte Gruppe aus jungen Erwachsenen und Jugendlichen, teilweise noch in Ausbildung, teilweise ausgelernt und fest im Beruf stehend. Was sie eint: Sie engagieren sich in der IG Metall und sind von den Auszubildenden in ihren Betrieben gewählt. Sie trafen sich am vorigen Montag in den Räumen des August-Horch-Museums am ehemaligen Audi-Produktionsstandort in Zwickau.

Die JAV-Konferenz fand zuletzt alle zwei Jahre statt. Dieses Jahr lautetedas Motto „Wir machen Ausbildung besser!“ und sollte auch für die im Oktober anstehenden JAV-Wahlen vorbereiten. „Das was gestern ist, haben wir unten im Automobilmuseum stehen, was heute ist seid Ihr hier. Und über das, was morgen ist, wollen wir heute diskutieren“, sagte Sebastian Wowra von der IG Metall Zwickau zur Begrüßung.

Thomas Meinhold vom Volkswagen Bildungsinstitut in Zwickau hielt ein längeres Referat zu den Veränderungen und Herausforderungen, die auf Auszubildende und junge Berufstätige mit der Digitalisierung zukommen. Mit komplexer werdenden digitalen Entwicklungs- und Produktionsschritten verändern sich ganze Berufe – und auch die Ausbildung. Ein immer größerer Anteil des Lernens erfolgt digital. Ein Fazit, das Meinhold zieht, ist, dass „nicht zu jedem Thema ein neues Berufsbild“ entwickelt werden müsse. Es reiche schon, die existierenden anzupassen. Es sei aber ein großes Problem, dass beispielsweise die Ausbildungsverordnung für Fachinformatiker von 1997 sei. „Vieles von dem, was technisch möglich ist, können wir nicht umsetzen, weil es nicht in der Verordnung enthalten ist.“

Thomas Meinhold vom VW Bildungszentrum in Zwickau Foto: IG Metall Zwickau

Ein Satz, dem Michael Schmitzer, Ressortleiter Junge IG Metall beim Gewerkschaftsvorstand, nicht zustimmen kann. „Was technisch möglich ist, muss in allererster Linie für den Ausbildungsberuf nützlich sein. Es ist nicht nur gut, weil es geht.“ Besonders ausbildungsfremde Tätigkeiten hätten in einer Ausbildungsverordnung nichts zu suchen. „Die Begehrlichkeiten der Arbeitgeberseite sind von daher irrelevant. Wir gucken darauf, was für die Beschäftigungsfähigkeit der Menschen nützlich ist, nicht für das Unternehmen.“ Die letzte Zeit habe gezeigt, dass sich bei Unternehmen sehr schnell alles ändern könne. „Und wenn Kolleginnen und Kollegen sich plötzlich einen neuen Job suchen müssen, müssen sie gut ausgebildet sein, damit sie eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben“, sagt Schmitzer.

Auf der JAV-Konferenz hat er einen Workshop zur Ausbildungsverordnung und wie man diese in einen Ausbildungsplan übersetzt geleitet. Die Verordnung wird vom Bundesbildungsministerium erlassen und legt bundeseinheitlich die Grundlage und Struktur einer betrieblichen Ausbildung fest. Arbeitgeber und Gewerkschaften sind über das Bundesinstitut für Berufsbildung an der Entwicklung der Ausbildungsverordnung beteiligt.

Wie die Verordnung dann in einem Ausbildungsplan im Betrieb umgesetzt wird und für die Überwachung, dass das auch passiert, zählen zu den Kernaufgaben der Jugend- und Auszubildendenvertretungen.

Probleme, die in seinem Workshop immer wieder auftauchten, so Schmitzer, seien die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen der Arbeitgeberseite und den Beschäftigten. „Das Wissen der JAV wird zu wenig einbezogen, dabei sind sie diejenigen, die am meisten darüber wissen, was in der Ausbildung gut und was schlecht läuft“, sagt Schmitzer. Der Ausbildermangel sei ein wiederkehrendes Thema gewesen.

Foto: IG Metall Zwickau

Ein Thema, das auch im Workshop „Gute Arbeit, gute Ausbildung – Handlungsfelder im Betrieb und darüber hinaus“ von Anna Leona Gerhardt vom DGB-Bundesvorstand und Steffen Reißig von der IG Metall Leipzig präsent war. Die jungen GewerkschafterInnen sammelten Themen und diskutierten anschließend, was das für ihre Arbeit im Betrieb bedeutet. Auffallend war, dass bei der Frage „Was ist für dich gute Arbeit“ die Arbeitszeit klar an Platz eins der genannten Themen stand, während es bei der Frage „Was ist für dich gute Ausbildung“ in der Mehrzahl um Fragen der Ausbildungsqualität ging – allen voran der Ausbildermangel, aber beispielsweise auch die Mitbestimmung: „Wenn beispielsweise der Ausbilder sagt, wir machen als Lerninhalt jetzt nur Feilen, der Azubi will aber auch Schweißen lernen, dann wäre es gut, wenn das gehört wird. Konkret: Mehr individuelle Mitbestimmung bei den Ausbildungenhalten wäre gut“, sagte Simon Heckel, Kfz-Mechatroniker aus Plauen. Für Alexander Humplott, JAV-Vorsitzender im BMW-Werk in Leipzig ist wichtig, dass Auszubildende nicht als vollwertige Arbeitskräfte eingesetzt werden. „Auch wenn jemand im vierten Ausbildungsjahr ist, kann er oder sie nicht alleine am Produkt stehen. Das wäre nicht nur Ausbeutung als billige Vollarbeitskraft, sondern auch versicherungstechnisch ein Problem.“

Wie sich das mit der Digitalisierung und der Ausbildungsverordnung verbindet und was die JAV damit zu tun hat, erklärte Steffen Reißig: „Wenn Ihr immer mehr der Ausbildungshalte am Computer oder am Pad bearbeitet und ständig online seid, ist eine Frage, wer dann die Einhaltung eurer Arbeitszeit kontrolliert oder wann die Arbeitszeit endet und die neue Schicht beginnt. Das muss die Asubildungsverordnung regeln, und dafür hat der Gesetzgeber die JAV ins Betriebsverfassungsgesetz geschrieben.“ Denn deren Aufgaben als gewählte Vertreterinnen und Vertreter seien ein gesetzlicher Auftrag, so Reißig. Er ermutigte die jungen Kolleginnen und Kollegen, gut mit ihren Betriebsräten zusammenzuarbeiten und von ihnen die für ihre Arbeit notwendigen Informationen auch immer wieder konsequent einzufordern.

Im Oktober werden die Jugend- und Auszubildendenvertretungen gewählt. Dann beginnt die neue zweijährige Amtszeit. jme

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