IG Metall ruft zu Warnstreiks bei der SBG auf

veröffentlicht am 19. April 2018

Neumark/Zwickau – Nachdem auch in der dritten Verhandlungsrunde am 13. April 2018 bei der Sächsisch-Bayerische Starkstrom-Gerätebau GmbH (SBG) in Neumark kein Durchbruch erzielt werden konnte, ruft die IG Metall am 19. April 2018 zu Warnstreiks auf. Über mehrere Schichten hinweg werden die Beschäftigten die Arbeit niederlegen, um ihre Unzufriedenheit mit dem letzten Angebot der Arbeitgeberseite auszudrücken. Das von der Geschäftsführung unterbreitete Angebot sah Lohnsteigerungen vor, die materiell erheblich unterhalb des Niveaus der Flächentarifverträge liegen würden. Bereits auf einer Mitgliederversammlung am 14. April 2018 wurde das Angebot der Arbeitgeberseite einstimmig von den Mitgliedern zurückgewiesen.

Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter und Verhandlungsführer, zu dem derzeitigen Stand der Verhandlungen: „Die Kolleginnen und Kollegen haben zu Recht keinerlei Verständnis dafür, dass die Geschäftsführung sich von der Lohnentwicklung in der Fläche abkoppeln will. Wirtschaftlich kann sich die SBG den Flächenabschluss eindeutig leisten. Ich hoffe, dass der Warnstreik der Geschäftsführung deutlich vor Augen führt, dass die Kolleginnen und Kollegen klare und berechtigte Erwartungen haben. Das in der dritten Verhandlungsrunde unterbreitete Angebot entspricht diesen Erwartungen definitiv nicht.“

Sollte die Geschäftsführung nicht deutlich nachbessern, ist eine weitere Eskalation, beispielsweise in Form ganztägiger Arbeitsniederlegungen nicht ausgeschlossen. Außerdem will die IG Metall Zwickau zukünftig auch auf den Gesellschafter und neuen Eigentümer Druck ausüben.

Florian Hartmann, betreuender Gewerkschaftssekretär, hierzu: „Wir sehen sowohl den Gesellschafter, die SGB-SMIT GmbH in Regensburg, als auch der neue Eigentümer One Equity Partner (OEP) in der Verantwortung, einen Beitrag zur Lösung des Konflikts zu leisten. Sollte jedoch OEP hinter der Entscheidung stecken, aus dem Flächentarifvertrag auszusteigen und damit etwa das Ziel verfolgen, überzogene Renditeerwartungen dadurch abzusichern, dass man den Leuten ins Portemonnaie greift, werden wir dies entschieden und mit allen Mitteln zurückweisen.“

Die Hauptkundgebung wird vor dem Werkstor gegen 14 Uhr stattfinden. Weitere Kundgebungen sind von 10 bis 11 Uhr sowie gegen 16 Uhr geplant. Betriebsräte und Vertrauensleute aus weiteren Betrieben der Region werden den Warnstreik vor Ort unterstützen.

Hintergrundinformationen:

Die Sächsisch-Bayerische Starkstrom-Gerätebau GmbH (SBG) in Neumark ist mit Wirkung zum 31. Januar 2018 aus dem tarifgebundenen Arbeitgeberverband ausgetreten. Die Flächentarifverträge finden sich seit diesem Zeitpunkt in Nachwirkung bzw. Nachbindung. Das Unternehmen hat erklärt, dass es nicht beabsichtigt, in den tarifgebundenen Arbeitgeberverband wiedereinzutreten.

Im Juli 2017 wurde die Muttergesellschaft der SBG die SGB-SMIT vom amerikanischen Finanzinvestor One Equity Partners („OEP“) übernommen. Bei OEP handelt es sich um einen Private Equity Investor, dessen Geschäftsmodell darauf basiert, Unternehmen zu kaufen, neuauszurichten und nach einer gewissen Zeit wieder mit Gewinn zu verkaufen. Die Erfahrungen, die die IG Metall in anderen Betrieben mit OEP sammeln musste, geben Grund zur Sorge. Bundesweite Bekanntheit erlangte die Auseinandersetzung um die Vacuumschmelze (VAC) in Hanau.

Parallel zum Verbandsaustritt in Sachsen ist der ebenfalls zur SGB-SMIT Gesellschaft gehörende Starkstrom-Gerätebau GmbH aus dem tarifgebundenen Arbeitgeberverband in Bayern ausgetreten. Dort finden die ersten Tarifverhandlungen zwischen Geschäftsführung und IG Metall Regensburg Ende April statt.

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