„Demokratie darf nicht hinter dem Werktor enden“

veröffentlicht am 14. September 2018

„Zur Bewältigung der Herausforderungen der Fachkräftesicherung bedarf es eines grundsätzlichen Kulturwandels in den Unternehmen“ stellte Staatssekretär Stefan Brangs (SPD) auf der zweiten vogtländischen Mitbestimmungskonferenz am Montag, dem 10. September 2018 im Landratsamt in Plauen fest. Er unterstrich, dass betriebliche Mitbestimmung wichtig für gute Arbeit und die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der Unternehmen in Sachsen ist und stärker unterstützt werden muss.

Über 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter vorwiegend Betriebsräte aus Betrieben der vogtländischen Metall-/Elektro- und Textilindustrie sowie Gäste aus Politik und Verwaltung, trafen sich, um über Fachkräftesicherung und betriebliche Mitbestimmung im Vogtland zu diskutieren. Eingeladen hatte das IMU-Institut Berlin zusammen mit dem DGB Südwestsachsen und der IG Metall Zwickau.

Ingo Singe, Sozialwissenschaftler an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, gab zum Anfang der Konferenz einen Überblick über die Entwicklungen und Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft in den ostdeutschen Regionen. Er machte deutlich, dass Regionen wie das Vogtland vom gegenwärtigen Fachkräftemangel besonders stark betroffen sind. Um Fachkräfte in der Region zu halten, seien neue strukturpolitische Ansätze und eine höhere Wertschätzung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch angemessene Löhne und gute Arbeitsbedingungen notwendig. Exemplarisch an einer Beschäftigtenbefragung in Ostthüringen verdeutlichte er, dass große Teile der Belegschaften resignieren und auch das Teil des Demokratieproblems in Ostdeutschland ist.

Die wirtschaftliche Lage sei momentan gut, nur zeige sich dies nicht auf dem Lohnzettel. Dies sei auch ein Grund dafür, dass immer mehr junge Menschen das Vogtland verlassen, um woanders eine besser bezahlte Anstellung zu finden. Mehrere Betriebsräte wiesen darauf hin, dass es besonderer Anstrengungen bedürfe, um vor allem junge und qualifizierte Fachkräfte im Vogtland zu halten. Viele Arbeitnehmer lassen sich das aber auch nicht mehr gefallen. Beispielhaft wurde die Betriebsratswahl bei Dr. Gühring in Treuen, die Kämpfe um Arbeitsplätze beim MAN Bus Modification Center (ehemals Neoplan) und der vosla in Plauen oder die aktuellen Bemühungen um einen Tarifvertrag bei der PLAMAG GmbH in Plauen genannt.

„Hier machen sich Belegschaften gemeinsam mit uns auf den Weg, um ihre Arbeitsbedingungen zu verändern und mitzubestimmen. Wir merken, viele Kolleginnen und Kollegen akzeptieren autoritäre Geschäftsführer in ihrem Arbeitsumfeld nicht mehr und wollen ihre Rechte wahrnehmen“ so Benjamin Zabel, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Zwickau.

Trotzdem habe die Wertschätzung der betrieblichen Mitbestimmung – so wurde in der Diskussion deutlich – in den Betrieben des Vogtlandes nicht immer den Stellenwert, den sie eigentlich verdiente. So berichteten mehrere Teilnehmer, dass sie häufig bei der Ausübung ihrer Funktion als Betriebsräte behindert werden.

Ralf Hron, Regionsgeschäftsführer des DGB Südwestsachsen, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Demokratie nicht hinter dem Werktor enden dürfe und betriebliche Mitbestimmung ein verbrieftes Recht ist, dem in den Betrieben Geltung verschafft werden müsse.

Der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Jörg Brodmann, unterstrich, dass Tarifverträge ein wichtiges Instrument zur Gestaltung guter Arbeit seien. Er forderte von der lokalen Politik, dem Landrat und den Bürgermeistern mehr Rückenwind für tariflich gestaltete Arbeitsbedingungen im Vogtland.

Die Konferenz bot die Möglichkeit, Betriebsräte in den Dialog mit Vertretern der vogtländischen Fachkräfteallianz zu bringen. Helga Lutz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Plauen und Marion Päßler, Amtsleiterin des Amts für Wirtschaftsförderung des Vogtlandes, trugen mit ihrer Kompetenz zu einem erfolgreichen Ablauf der Konferenz bei und stellten sich den Fragen, den Anregungen und der Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Eine engere Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und Vertretern aus Politik und Verwaltung wurde von den Beteiligten als eine notwendige Bedingung formuliert, um die Zukunftsfähigkeit des Vogtlandes zu gewährleisten. Die Gewerkschafter und Betriebsräte unterbreiteten das Angebot an die regionalen Akteure und die Mitglieder der Fachkräfteallianz, in eine intensive Diskussion und zu einer engeren Zusammenarbeit zu kommen. Die Konferenz sollte dazu einen Startschuss geben.


Hintergrund:

Die Mitbestimmungskonferenz der vogtländischen Betriebsräte fand zum zweiten Mal seit 2017 statt. Sie wurde durch Mittel der Fachkräfteallianz Vogtland und des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr ermöglicht. Weitere Informationen zur Fachkräfteallianz findest du hier: https://www.das-vogtland-sind-wir.de/fachkraefte/fachkraefteallianz/

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