Einigung im Tarifstreit bei der SBG in Neumark – 8 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten

veröffentlicht am 5. September 2018

Die Tarifauseinandersetzung beim Starkstrom-Gerätebau GmbH (SBG) in Neumark hat ein Ende. IG Metall und Geschäftsführung der SBG haben sich auf Eckpunkte für einen Haustarifvertrag geeinigt, die deutliche Entgeltsteigerungen und eine weitgehende Übernahme der flächentariflichen Regelungen vorsieht. In insgesamt vier Stufen werden die Entgelte bis zum 01. April 2020 um insgesamt 8 Prozent steigen. Zusätzlich wurden für 2019 und 2020 für Einmalzahlungen in Höhe von jeweils 650 Euro vereinbart. Damit ist über die Laufzeit bis zum 31. April 2020 ein Entgeltvolumen abgesichert, welches der Entwicklung der Fläche entspricht. Ein Entgegenkommen der IG Metall gab es bei der Frage der Arbeitszeitgestaltung. Betriebsrat und Geschäftsführung haben die Möglichkeit erhalten am Jahresende, bis zu 80 Stunden zuschlagsfrei aus dem Arbeitszeitkonto auszuzahlen. Die 38 Stunde Woche bleibt die Regelarbeitszeit. Außerdem hat die IG Metall zugestimmt, dass finanzielle Mittel für die Altersteilzeit zu einem geringen Teil auch für demografische Maßnahmen, beispielsweise Qualifizierungsprogramme, verwendet werden können, um den anstehenden Generationenwechsel in der Belegschaft zu bewältigen und die Betriebsparteien ein eigenes, auf die betrieblichen Erfordernisse abgestimmtes Leistungsbewertungssystem entwickeln können. Der Durchbruch in dem Tarifstreit konnte bereits Ende Juli erzielt werden, das Unternehmen hatte jedoch bis Ende August 2018 die Möglichkeit, von dem Ergebnis zurückzutreten. Die Mitglieder der IG Metall und die Tarifkommission haben dem Kompromiss bereits im Juli zugestimmt.

Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter und Verhandlungsführer der IG Metall Zwickau, äußerte sich zufrieden mit dem Ergebnis:

Das Beispiel SBG zeigt, dass sich kämpfen lohnt! Ohne die Entschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen, die sich auch in zwei kraftvollen Warnstreiks ausgedrückt hat, hätten wir dieses Ergebnis nicht erzielen können. Unser Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die sich im Rahmen der Tarifrunde aktiv beteiligt haben und diesen Erfolg zu verantworten haben. Die Entscheidung des Unternehmens aus dem Arbeitgeberverband auszutreten halten wir nach wie vor falsch. Es ist uns in den Verhandlungen jedoch gelungen, den Großteil der flächentarifvertraglichen Regelungen zu übernehmen und damit ein Niveau nah an der Fläche zu sichern. Ziel in den nächsten Tarifrunden wird es sein, dieses Niveau zu halten und weiter auszubauen. Schmerzlich ist jedoch, dass die im letzten Flächenabschluss neu geschaffenen Arbeitszeitregelungen für die Beschäftigten der SBG vorerst nicht gelten. Das Unternehmen hat zwar zugesichert, dass befristete Teilzeitmodelle oder die Umwandlung von Geld in freie Tage zwar prinzipiell möglich sind und es dazu Betriebsvereinbarungen geben soll, wir werden jedoch trotzdem intensiv mit der Belegschaft diskutieren, ob wir diese Ansprüche im Rahmen der nächsten Tarifrunde nicht tarifvertragliche regeln wollen.“

Florian Hartmann, betreuender Gewerkschaftssekretär der IG Metall Zwickau, ergänzend hierzu:

„Der Kampf der Kolleginnen und Kollegen bei der SBG hat einen Vorbildcharakter für viele Beschäftigte in der Region. Niedriglöhne und tariflose Zustände sind nach wie vor ein gravierendes Problem mit sozialen Sprengstoff in unserer Region. Wir laden alle Beschäftigten in der Region dazu ein sich bei uns darüber zu informieren, wie sich eine Tarifbindung erreichen lässt. Tarifverträge fallen nicht vom Himmel, das hat das Beispiel SBG deutlich gezeigt. Der Kampf der Belegschaft war damit auch ein Kampf für die Region, der hoffentlich viele Nachahmerinnen und Nachahmer findet.“

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