Klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung von Volkswagen in Chemnitz

veröffentlicht am 11. September 2018

Mit einer Informationsveranstaltung am Freitagmorgen im VW Motorenwerk in Chemnitz haben Betriebsräte, Beschäftigte und Vorstandsmitglieder von Volkswagen gemeinsam mit der IG Metall ein klares Zeichen gegen Diskriminierung, gegen Fremdenfeindlichkeit und gegen Ausgrenzung gesetzt. Gemeinsam wurde klar Position für Vielfalt und ein respektvolles, partnerschaftliches Miteinander bezogen. Für Volkswagen seien dies unverrückbare Grundprinzipien.

„Wir, die Kolleginnen und Kollegen des Motorenwerkes Chemnitz von Volkswagen Sachsen, stehen für Menschlichkeit und Solidarität”, sagte René Utoff, Betriebsratsvorsitzender Motorenwerk Chemnitz. “Wir sind gegen Spaltung, gegen Rassismus und Hass. Wir treten offensiv für Menschenwürde und gegen Menschenfeindlichkeit ein. Wir zeigen mit unserer heutigen Informationsveranstaltung, dass „wir mehr sind“ und dass wir handeln. Wir stehen für ein weltoffenes tolerantes Chemnitz.“

An der kurzfristig von Betriebsrat und Werkleitung organisierten Zusammenkunft im Motorenwerk Chemnitz nahmen am Freitagvormittag Beschäftigte der zu diesem Zeitpunkt anwesenden Früh- und Normalschicht teil, außerdem Vorstandsmitglieder sowie Arbeitnehmervertreter aus den anderen deutschen Volkswagen Werken.

Bernd Osterloh, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, sagte: „Die Belegschaft von Volkswagen steht für Toleranz, Offenheit und einen solidarischen Umgang miteinander. Fremdenfeindlichkeit, Hass, Ausgrenzung und Verfolgung haben keinen Platz in unserem gemeinsamen Unternehmen. Es ist Aufgabe von uns Gewerkschaftern, klare Kante zu zeigen gegen menschenfeindliche, rechtsextreme und antidemokratische Umtriebe. Das gilt ganz konkret für jeden Einzelnen von uns. Wir müssen aber auch von den demokratischen Politikern einfordern, dass sie ihre Hausaufgaben endlich erledigen: berufliche Zukunftsperspektiven ebenso wie auskömmliche Renten, faire Löhne und gute Arbeit sowie bezahlbarer Wohnraum und innere Sicherheit — nur wer diese Themen angeht, wird den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.“

„Ich bin heute auch deswegen nach Chemnitz gekommen, weil ich als Bürger dieses Landes von den Szenen der letzten Tage zutiefst erschreckt bin“, sagte Volkswagen Personalvorstand Gunnar Kilian. „Und ich bin gekommen, um deutlich zu machen: Das Werk Chemnitz gehört zur Volkswagen Familie. Wir haben hier investiert und tun dies weiter. Deswegen ist es uns als Konzernvorstand wichtig, was in dieser Stadt geschieht. Und ich mache klar: Wir bei Volkswagen dulden keine Diskriminierung. Wir achten soziale Rechte, wir leben Vielfalt. Was draußen vor den Werkstoren vorgegangen ist, verstößt gegen alle Grundwerte von Volkswagen. Gewiss: Den Verlockungen von Populisten ist manchmal schwer zu widerstehen. Umso mehr gilt es, gegen Parolen zu sensibilisieren, aufzuklären, für Vernunft zu sorgen. Das tun wir bei Volkswagen gemeinsam: Unternehmen, Betriebsräte, Vertrauensleute. Lassen wir nicht zu, dass neue Mauern entstehen. Das muss unser Auftrag sein!“

Thomas Schmall, Volkswagen Komponentenvorstand sagte: „Für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Motorenwerk Chemnitz ist das Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen selbstverständlich: Sie arbeiten im internationalen Verbund von 56 Konzernkomponentenwerken auf vier Kontinenten mit Kollegen aus China oder Brasilien, aus Ungarn oder Tschechien höchst erfolgreich zusammen. Mehr als 150 erfahrene internationale Kollegen unterstützen aktuell hier in Chemnitz, um die gute Auftragslage gemeinsam zu bewältigen. Beispiele wie diese zeigen: Bei Volkswagen hier in Chemnitz und an allen anderen Standorten ist kein Platz für Ausgrenzung. Und darauf sind wir stolz!“

Besonders beeindruckend waren Redebeiträge von Beschäftigten aus dem Werk in Chemnitz. „Das, was die letzten Tage passiert ist, macht mich traurig, wütend und verzweifelt“, sagte Rico C., Betriebsrat im Werk. „Was ich mit eigenen Augen, im Fernsehen und im Internet gesehen habe, das ist nicht Chemnitz. Meine Familie und ich haben am Sonntag während des Stadtfestes den Aufzug mehrerer gewaltbereiter Hooligan-Gruppen mitansehen müssen. Die Übergriffe auf vermeintliche Flüchtlinge haben wir aus einiger Entfernung mit eigenen Augen gesehen. Meine Kinder haben mich mit Tränen in den Augen gefragt, was hier los ist und warum das passiert. Das ist nicht mein Chemnitz!“

An der Informationsveranstaltung nahmen auch Mario John, Erster Bevollmächtigter IG Metall Chemnitz und Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, teil. “Wir haben heute gemeinsam ein Signal gesetzt, dass für Toleranz, Respekt und Menschlichkeit steht“, so Höbel. „Wir verurteilen Gewalt, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Wie solidarisch wir zusammenstehen, sieht man an der Teilnahme von Delegationen der Betriebsräte und Vertrauensleute aller VW-Standorte und neben Kollegen von Porsche Leipzig auch weiteren betrieblichen Delegationen.“

Das Werk Chemnitz beschäftigt insgesamt rund 1.800 Männer und Frauen, unter anderem auch aus Afghanistan, Kuba, Mexiko, Nigeria, der Ukraine, Ungarn und Vietnam. Das Werk wird beliefert von Lieferanten aus 29 Ländern. Nahezu die Hälfte der in Chemnitz produzierten Motoren sind für eine Auslieferung außerhalb Deutschlands bestimmt.

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