Rund 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräte besuchten die Konferenz in Leipzig. Foto: Bianka Huber

Ostdeutsche Betriebsräte diskutierten in Leipzig

veröffentlicht am 7. September 2018

Rund 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus Ostdeutschland trafen sich in Leipzig zur vierten Betriebsrätekonferenz Ost. Sie diskutierten zwei Tage über Tarifbindung, die digitale Transformation, den ökologischen Strukturwandel und den Umgang mit Rechtsextremismus in Ostdeutschland.

„Die Transformation in die digitale Arbeitswelt muss auch für Innovationen und für eine Stärkung des Standorts Ostdeutschland genutzt werden. Ostdeutsche Betriebe dürfen nicht länger die verlängerten Werkbänke westdeutscher Konzerne sein“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzende der IG Metall, am Dienstag auf der Konferenz.

Wolfgang Lemb, als Vorstandsmitglied der IG Metall unter anderem für das „Projekt Zukunft Ost“ zuständig, das die Konferenz organisiert, sagte: „Industriepolitik muss nicht nur, aber in besonderem Maße die Situation in Ostdeutschland im Blick haben.“ Die IG Metall und ihre Mitglieder hätten Anfang der 1990er Jahre gegen die Deindustrialisierung gekämpft, um „industrielle Kerne zu erhalten.“ Doch diese seien aktuell wieder Angriffen ausgesetzt, so Lemb mit Blick auf die ungewisse Zukunft von Opel in Eisenach, die Schließungsdrohungen gegen mehrere ostdeutsche Siemens-Standorte oder Halberg Guss in Leipzig. „Es geht auf dieser Konferenz darum, wie wir diese Kerne erhalten und Industriestandorte in Ostdeutschland ausbauen können“, so Lemb.

Bernd Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig wies auf die Besonderheiten hin, die Leipzig und andere Industriestandorte in Ostdeutschland auszeichnen. „Wir haben hier in Leipzig nicht nur Porsche und BMW. Es gibt eine hohe Konzentration an Kontraktlogistikunternehmen, die sich vielfach durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse, durch Leiharbeit, Werkverträge und Befristungen auszeichnen.“ Die Firmen seien im Schnitt halb so groß wie die im Westen, „und die Konzernzentralen sind weit weg“. An der Stelle brauche es starke Betriebsräte und eine starke Gewerkschaft, um bessere Arbeitsbedingungen oder einen Tarifvertrag durchzusetzen, sagte Kruppa weiter.

Und auch die Politik stehe in der Verantwortung, sagte Wolfgang Lemb: „Wir brauchen eine Strategie, damit Unternehmen wieder stärker in hiesige Standorte investieren.“ Dazu seien andere Rahmenbedingungen nötig, zum Beispiel eine gezielte Industrie-, Wirtschafts- und Förderpolitik, mehr öffentliche Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der Ausbau der Tarifbindung.

Der Preis „Gemeinsam. Engagiert. Mutig. Für eine gute Zukunft“ des IG Metall-Vorstandes wurde am Dienstagabend an Uwe Lippmann, Betriebsratsvorsitzender der Firma Werkö in Königssee bei Erfurt verliehen. Er vereine zwei wichtige Eigenschaften von Betriebsräten: „Er ist kommunikativ und konfliktfähig“, sagte Jörg Hofmann in seiner Laudatio. Seinem Einsatz sei es zu verdanken, dass sein Unternehmen wieder in den Arbeitgeberverband eingetreten sei. Zusätzlich engagiert sich Lippmann für Geflüchtete und gegen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Für die IG Metall ein weiteres wichtiges Thema, zu dem auf der Konferenz ein Workshop stattfand. Mit Blick auf die Demonstration von tausenden Rechtsextremen in Chemnitz am Montag sagte Wolfgang Lemb: „Es ist nicht akzeptabel, dass ein schrecklicher Todesfall zu Hetzjagden auf Menschen mit anderen Hautfarbe oder vermeintlich anderer Herkunft führt.“ (jme / Foto: Bianka Huber)

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