14.08.2025 | Der Standort von Bosch Powertools in Sebnitz hat keine Zukunft mehr. Dieses bittere Fazit musste die IG Metall Ostsachsen ziehen, nachdem der Einigungsstellenprozess am 8. August vorzeitig beendet wurde.
„Die Geschäftsleitung hat dem Standort zu keiner Zeit eine Chance eingeräumt, doch noch den Turnaround zu schaffen und ihren rund 280 Beschäftigten eine Zukunftsperspektive zu geben“, sagt Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. „Im Gegenteil: Die Geschäftsleitung hat den Betriebsrat frühzeitig mit juristischen Mitteln ins Einigungsstellenverfahren gezwungen, um den Standort möglichst schnell abzuwickeln und unseren Kolleginnen und Kollegen auch noch bei den Abfindungen das Fell über die Ohren zu ziehen. Das ist skandalös. So geht man nicht mit Menschen um.“
Im April hatte der Konzern verkündet, mit Sebnitz in Ostsachsen und Leinfelden-Echterdingen in Baden-Württemberg zwei seiner Werke in der Werkzeugsparte bis Ende 2026 schließen zu wollen. Die Produktion soll nach Ungarn verlagert werden.
Während die Verhandlungen in Leinfelden noch weit von der Einschaltung der Einigungsstelle entfernt sind, wurde diese im ostsächsischen Sebnitz gleich zu Beginn möglicher Verhandlungen erzwungen. „Ein Vorgehen, das einmal mehr dazu führt, dass sich unsere Kolleginnen und Kollegen in Ostdeutschland wie Menschen zweiter Klasse fühlen“, sagt Axel Drescher, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ostsachsen. „Einziges Thema in der Einigungsstelle, das die Geschäftsleitung interessierte, war die Frage, wie sie den Standort möglichst schnell abwickeln kann.“
IG Metall und Beschäftigte hatten mit massiven Protesten und Aktionen Widerstand gegen die Konzernpläne geleistet. Vorläufiger Höhepunkt war die Großdemonstration Mitte Juni auf dem Sebnitzer Marktplatz, an der sich auch viele Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland beteiligten und so ihre Solidarität zum Ausdruck brachten. Kurz danach begannen in Sachsen die Sommerferien. „Diesen Zeitraum hat die Geschäftsleitung gezielt genutzt, um Druck auf den Betriebsrat auszuüben, ihn mürbe zu machen und in die Einigungsstelle zu zwingen“, sagt Axel Drescher. „Von einem Weltunternehmen wie Bosch, das sich gern für sozialpartnerschaftliches Verhalten, vertrauensvolle und respektvolle Zusammenarbeit mit den Mitbestimmungsgremien rühmt, hätten wir etwas anderes erwartet.“
Die IG Metall kritisiert außerdem, dass sich ein Industriegigant wie Bosch mit der Verlagerung ins Ausland seiner sozialen Verantwortung für die Menschen in der Region entzieht. „Das ist ein schwerer Schlag für den Wirtschaftsstandort Sebnitz und insbesondere für unsere Kolleginnen und Kollegen und deren Familien“, sagt Uwe Garbe. Viele Beschäftigte wissen noch nicht, wie es für sie weitergeht. Dazu sind viele Fragen zu den Abwicklungsmodalitäten noch ungeklärt. „Wir werden unsere Kolleginnen und Kollegen umfassend beraten und unterstützen, und alles daran setzen, sie auf offene Stellen in den Betrieben unserer Region zu vermitteln.“
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