10.11.2025 | Engagierte Mitglieder für die zunehmenden Herausforderungen der Gewerkschaftsarbeit im Betrieb zu stärken und zu qualifizieren – das ist das Ziel der IG Metall-Ausbildungsreihe „Junge Aktive“. Dazu trafen sich die Teilnehmenden aus vier Betrieben in Brandenburg und Sachsen im Rahmen der mittlerweile 13. Auflage zu ihrem ersten gemeinsamen Seminarmodul im IG Metall-Übergangsbildungszentrum in Berlin-Moabit.
Welche Bedeutung diese Reihe für die IG Metall hat, betonte direkt zur Eröffnung Jan Otto, Leiter des IG Metall Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Viele Unternehmen stecken tief in der Krise und es scheint, als würden der Politik und vielen Managern an zahlreichen Stellen die richtigen Antworten fehlen. Aber es gibt Antworten – und die haben wir“, so Jan Otto. „Wir müssen die Zukunft in den Betrieben selber gestalten – und genau an diesem Punkt setzt diese Junge-Aktive-Ausbildungsreihe an. Ich finde, es sind genau die richtigen Kolleginnen und Kollegen aus genau den richtigen Betrieben an Bord. Ich freue mich sehr auf die Ergebnisse und die Umsetzung der betrieblichen Projekte.“
An dem einwöchigen Einstiegsseminar zwischen dem 27. und 31. Oktober nahmen Metallerinnen und Metaller von ZF in Brandenburg an der Havel, von Elbe Flugzeugwerke aus Dresden, von VW aus Zwickau und von Siemens aus Chemnitz teil. Bereits nach wenigen gemeinsamen Tagen wirkten die neun wie eine verschworene Gemeinschaft und freuten sich, sehr viel mit- und voneinander gelernt zu haben.
Die Ausbildungsreihe wird geleitet von Coach Jörg Kammermann und von Jörg Ullrich aus der IG Metall-Bezirksleitung in Berlin. In der ersten Qualifizierungswoche standen neben dem gegenseitigen Kennenlernen der persönlichen und betrieblichen Hintergründe folgende Themen auf der Agenda: die Erweiterung von Fachwissen in den Bereichen Projektmanagement und Teamentwicklung, das Erlernen und Verbessern von Redetechniken sowie die schrittweise Entwicklung von betrieblichen Projektideen – in einem guten Mix aus Theorie und Praxis.
Christian Hölig, Madeleine Taubert und Colin Ullmann haben vor, im Rahmen der Ausbildungsreihe ein Projekt zu entwickeln, mit dem sie die Arbeit der IG Metall-Vertrauensleute bei VW in Zwickau weiter voranbringen und noch mehr Kolleginnen und Kollegen zum aktiven Mitmachen bewegen wollen. Dafür möchten sie in den kommenden Monaten eine kurze, verständliche Infobroschüre entwerfen, in der sie kurz und bündig die Möglichkeiten und den Spaß vermitteln möchten, den aktive Vertrauensleutearbeit bringen kann.
„Die existierenden Infomaterialien sind oftmals zu trocken und zu kompliziert“, sagt Madeleine Taubert. „Mithilfe unserer neuen Broschüre wollen wir den Einstieg in die Vertrauensleutearbeit für potentiell interessierte Kolleginnen und Kollegen erleichtern.“ Christain Hölig formuliert das gemeinsame Ziel so: „Wir möchten die Hemmschwelle senken, damit sich mehr Kolleginnen und Kollegen als Vertrauensleute aktiv bei uns im Betrieb engagieren.“ Colin Ulmann ist überzeugt: „Wenn wir es schaffen, Vertrauensleutearbeit vor allem auch für junge Kolleginnen und Kollegen attraktiv und verständlich rüberzubringen, können wir unseren gewerkschaftlichen Einfluss im Betrieb deutlich verbessern und erhöhen.“
Das Thema Vertrauensleutearbeit ist auch Schwerpunkt des geplanten Projekts von Sabrina Selle, Tim Christensen und Jonas Wuschko, die bei ZF in Brandenburg arbeiten. „Wir wollen die Rolle der Vertrauensleute bei uns im Betrieb stärken“, erläutert Jonas Wuschko. „Denn mehr engagierte Vertrauensleute im Betrieb bedeuten: mehr Münder, mehr Ohren, mehr Hände, die mit anpacken.“
„Die Vertrauensleute bei uns im Betrieb müssen sichtbarer werden“, betont auch seine Mitstreiterin Sabrina Selle. „Viele Kolleginnen und Kollegen bei uns Betrieb können nur schwer unterscheiden, was die Aufgaben vom Betriebsrat und was die Aufgaben der Vertrauensleute sind.“
Eine gute Vertrauensleutearbeit trage auch dazu bei, „unseren IG Metall-Betriebsrat zu entlasten und zu stärken“, ist Tim Christensen, JAV-Vorsitzender bei ZF, überzeugt. „Wenn wir mehr Vertrauensleute haben, die mehr Verantwortung übernehmen, ist auch unsere Stellung als Gewerkschafter gegenüber dem Arbeitgeber bedeutsamer.“
Auch Maximilian Melzer, Elektroniker für Betriebstechnik bei der Siemens AG in Chemnitz, nimmt an der Qualifizierungsreihe teil, weil es ihm ein Herzensanliegen ist, den Vertrauenskörper in seinem Betrieb deutlich zu stärken. „Unser großes Ziel ist es, dass die Vertrauensleute in unserem Betrieb mehr Präsenz zeigen“, so Melzer. „Wenn wir es schaffen, als Vertrauensleute als starkes, geschlossenes Team im Betrieb aufzutreten, können wir unseren Einfluss deutlich erweitern.“ Melzer mahnt: „Dafür müssen wir aber mehr Vertrauensleute werden und als Vertrauenskörper an einem Strang ziehen.“
Sebastian Kropp und Marco Vater arbeiten im Angestelltenbereich bei den Elbe Flugzeugwerken in Dresden. Dort stehen sie vor einer Herausforderung, die die IG Metall aus vielen Betrieben kennt: Der Anteil aktiver IG Metall-Mitglieder ist im Angestelltenbereich deutlich geringer als in der Produktion. „Unser Ziel ist es, mehr angestellte Kolleginnen und Kollegen von der aktiven Beteiligung in der IG Metall zu überzeugen und dazu bewegen zu können, sich aktiv für Verbesserungen im Betrieb einzubringen“, sagt Marco Vater. Sein Kollege Sebastian Kropp erhofft sich, für diesen Zweck bei diesem Seminar „geeignete Werkzeuge an die Hand zu bekommen“ und erfolgsversprechende Methoden für die Mitgliedergewinnung zu erlernen. „Für uns ist der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Betrieben sehr hilfreich“, sagt Kropp. „Ein großes Potential dieser Qualifizierungsreihe ist, dass wir viel von- und miteinander lernen und uns auch überbetrieblich miteinander vernetzen können.“
„Wir stehen vor zunehmend größeren Herausforderungen. Die Art und Weise, wie wir Beteiligung und Zukunft im Betrieb organisieren, verändert sich rasant“, betont Jörg Ullrich, seit diesem Jahr verantwortlich für die Ausbildungsreihe im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Deshalb vermitteln wir in dieser Reihe situationsangepasst Inhalte und Skills, mit denen es unseren Teilnehmenden möglich gemacht werden soll, ihr volles Potential zu entfalten.“ Er freue sich sehr, sie bei diesem Prozess begleiten zu dürfen, „von der Planung bis zur Umsetzung ihrer eigenen betrieblichen Projekte“, so Ullrich.
Im Laufe des kommenden Jahres werden sich die jungen Metallerinnen und Metaller zu drei weiteren, jeweils zweieinhalbtägigen Ausbildungseinheiten (Module) in Berlin treffen: das nächste Mal vom 19. bis 22. Januar 2026. Darauf freuen sich schon jetzt alle sehr.
Dieser Beitrag wurde vom IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen übernommen.