Volkswagen

Zukunft für die Gläserne Manufaktur in Dresden gefordert

05.12.2025 | Im Dezember endet die Serienproduktion des Elektroautos ID.3 in der Gläsernen Manufaktur. Trotzdem existiert immer noch kein tragfähiges Konzept für alle Beschäftigten der Gläsernen Manufaktur ab 2026, obwohl dies im Dezember 2024 seitens des VW-Vorstands angekündigt worden war. Auch in der Betriebsversammlung am Donnerstag konnte Thomas Schäfer, Marken-Vorstand der Volkswagen AG, keine konkreten Fakten nennen. Das Unternehmen berief sich vielmehr auf die Vereinbarung, die das Land Sachsen mit der Technischen Universität und VW geschlossen hat. Diese ist allerdings nur ein „Letter Of Intent“ – und es wurden keinerlei finanzielle Punkte geklärt.

Pressetermin nach der Betriebsversammlung in der Gläsernen Manufaktur Dresden am 4. Dezember. Fotos: Marina Arnhold

Die Belegschaft ist heute nach der Betriebsversammlung mit der IG Metall und dem örtlichen Betriebsrat vor die Tür gezogen, um deutlich zu machen, dass sie wütend sind. Immer noch ist fraglich, was ein Teil der Beschäftigten ab 2026 in der Gläsernen Manufaktur machen soll. Auch in der heutigen Betriebsversammlung konnte Thomas Schäfer, Marken-Vorstand der Volkswagen AG, keine neuen Fakten nennen.

Die IG Metall und der Betriebsrat hatten am 6. November eigene Vorschläge vorgelegt, die den Beschäftigten der Gläsernen Manufaktur in Dresden eine Zukunft am Standort ermöglichen könnten.

Daniela Cavallo, Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Volkswagen, machte am Morgen nach der Betriebsversammlung deutlich: „Die Belegschaft der Gläsernen Manufaktur hat eine ebenso klare Erwartungshaltung wie der Gesamtbetriebsrat bei Volkswagen: Auch wenn Dresden nur ein kleiner Standort auf der VW-Landkarte sein mag: Hier darf der Vorstand keinen anderen Maßstab anlegen als anderswo! Im Gegenteil: In der Gläsernen Manufaktur ist die Belegschaft über sozialverträgliche Wege, allen voran über die beliebte Altersteilzeit, schon viel weiter geschrumpft als an den meisten übrigen Standorten. Insofern besteht hier also weder Nachholbedarf noch ein Anlass für den Vorstand, verstärkten Druck auszuüben! Diese Botschaft habe ich heute auch in meiner Rede vor den Beschäftigten mit Nachdruck vertreten. Und denen, die jetzt noch nach einer zukünftigen Perspektive in der Gläsernen Manufaktur suchen, habe ich versichert: Freiwillige Wechsel sind okay. Aber Versetzungen gegen Euren Willen wird es mit uns nicht geben! Gleichzeitig habe ich an die Kolleginnen und Kollegen appelliert: Haltet durch! Fordert weiter Konzepte für alle ein, aber gebt dem, was kommt, auch eine Chance. Eine Chance, den Standort zu erhalten. In einer Zeit, in der in unserer Industrie ganze Standorte mit viel Tradition für immer geschlossen werden."

„Die Gläserne Manufaktur ist weltweit einzigartig – und ihr Zweck steht so auch vertraglich festgeschrieben“, erklärt Thomas Aehlig, Betriebsratsvorsitzender. „Ich fordere Volkswagen auf, sich an die Verträge zu halten. Uns wurde eine Fortführung als Standort der VW AG zugesagt, und zwar mit einer klar definierten Zahl an Beschäftigten. Nicht mehr und nicht weniger fordern wir jetzt ein. Die Montage von Autos ist das Herz der Gläsernen Manufaktur. Dieses Herz muss ab 2026 durch mindestens genauso solide Geschäftsfelder von Volkswagen ersetzt werden.“

Stefan Ehly, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Dresden und Riesa, richtete eine klare Forderung an VW: „Nach der Rede von Thomas Schäfer haben wir heute mehr Fragen als Antworten. Wir fordern eine klare Ansage für die Beschäftigten in der Gläsernen Manufaktur. Die Belegschaft hat in den letzten Jahren außerordentlich viel mitgemacht, um den Standort zu erhalten. Die anhaltende Ungewissheit stimmt angesichts des Jahresendes viele Beschäftigte wütend. Wenn der Konzern nicht schnell handelt, verspielt er die Zukunft eines hochattraktiven Standorts sowie das Vertrauen der dort beschäftigten Mitarbeiter und schädigt zudem erheblich das Außenbild der Marke Volkswagen. Wir werden auf keinen Fall lockerlassen, dass geltende Verträge auch eingehalten werden.“

Die Gläserne Manufaktur ist ein Vierteljahrhundert Erfolgsgeschichte für Volkswagen und für die Stadt Dresden: Als sie im Jahr 2001 ihre Pforten öffnete, war sie die erste Fabrik der Welt, die auf öffentlichkeitswirksame Montage von damaligen Spitzenklasse-Autos ausgelegt war. Die Gläserne Manufaktur ist zudem ein Tourismusmagnet: 2,7 Millionen Gäste aus aller Welt kamen seit Eröffnung. Sie erwirtschaftet einen Marketingwert von – konservativ gerechnet – 30 Millionen Euro jährlich für Volkswagen und die Stadt Dresden. Seit 2017 ist sie der Leuchtturm für E-Mobilität des Volkswagen-Konzerns, mit mehr als 55.000 Probefahrten in den vergangenen acht Jahren.

Der Beitrag wurde von der IG Metall Dresden - Riesa übernommen.

Von: cdr

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